Trockenheitsresistenter Rasen: die richtigen Gräser und das richtige Mähen für heiße Sommer
Ich habe an anderer Stelle beschrieben, warum der Süden auf Rasen weitgehend verzichtet – aber ganz verschwunden ist er dort nicht. Auf Fincas im Norden Teneriffas, in alten Gutshöfen Andalusiens liegt durchaus Grün, nur eben ein anderes: gröber, härter, mit Wurzeln, die dorthin reichen, wo im August noch Feuchtigkeit sitzt. Dieses Grün hat mich mehr gelehrt als jeder englische Zierrasen. Denn wer zu Hause nicht auf Rasen verzichten will – und es gibt gute Gründe dafür, von spielenden Enkeln bis zum barfüßigen Sommerabend –, der kann ihn sommerfest machen. Mit den richtigen Gräsern, der richtigen Schnitthöhe und ein paar Gewohnheiten aus dem Süden.
1. Warum der klassische Zierrasen bei 35 Grad kapituliert
Unsere üblichen Rasenmischungen bestehen vor allem aus Deutschem Weidelgras und Wiesenrispe – feinen Gräsern, die für kühle, regelmäßig beregnete Sommer gezüchtet wurden. Ihre Wurzeln bleiben in den oberen zehn, fünfzehn Zentimetern des Bodens, und genau diese Schicht ist in einer Hitzewoche als Erstes knochentrocken. Das Ergebnis kennt inzwischen jeder: Ab Mitte Juli wird die Fläche fleckig, dann strohig, und wer dagegen ansprengt, bekämpft mit viel Wasser ein Problem, das eigentlich in der Saatguttüte steckt.
2. Gräser mit Wurzeln wie Brunnenbohrer
Die interessanteste Antwort heißt Rohrschwingel. Dieses Gras treibt Wurzeln bis zu einem Meter tief – dorthin, wo auch nach Wochen ohne Regen noch Restfeuchte sitzt – und bleibt deshalb grün, wenn Weidelgras längst aufgegeben hat. In heißen Ländern ist es seit Langem der Standard für strapazierte Grünflächen. Bei uns findet man es in Mischungen, die als dürre- oder trockenheitsverträglich gekennzeichnet sind, meist ergänzt um robuste Schwingel-Arten für die Dichte.
Ehrlich muss man dazusagen: Rohrschwingel ist kein Samtteppich. Das Blatt ist etwas breiter und derber als beim feinen Zierrasen – aus zwei Metern Entfernung sieht man keinen Unterschied, auf Knielänge schon. Ich halte das für einen sehr guten Tausch. Und niemand muss dafür den alten Rasen umbrechen: Wer zwei, drei Jahre in Folge jede Nachsaat mit einer Trockenmischung macht – Lücken im Frühjahr, die ganze Fläche im Frühherbst –, baut den Bestand nach und nach um. Die trockenfesten Arten übernehmen von selbst die Stellen, an denen die alten aufgeben.
3. Mähen in der Hitze: höher, seltener, schärfer
Die billigste Klimaanlage für den Rasen ist die Schnitthöhe. Jeder Zentimeter mehr Halm bedeutet mehr Schatten auf dem Boden, kühlere Wurzeln und spürbar weniger Verdunstung – der Unterschied zwischen drei und fünf Zentimetern entscheidet in einem heißen Juli über grün oder strohig. Meine Sommerregeln, gesammelt aus vielen eigenen Fehlern:
- Fünf Zentimeter ab dem ersten Hitzetag: Kurzrasur ist etwas für Mai und September. Im Hochsommer wird der Mäher – ob von Hand geführt oder automatisch – eine Stufe höher gestellt.
- Nie mehr als ein Drittel: Die alte Regel gilt bei Hitze doppelt. Ein radikaler Schnitt in einer Trockenphase ist die zuverlässigste Methode, eine Fläche zu ruinieren.
- Scharfe Messer: Stumpfe Klingen reißen die Halme, statt sie zu schneiden – und jede ausgefranste Spitze verdunstet mehr Wasser und lädt Pilze ein. In der Hitzezeit prüfe ich die Messer öfter als sonst.
- Mulchen statt sammeln: Fein geschnittenes Gras, das zwischen den Halmen liegen bleibt, wirkt wie der Lavakies der Lanzaroteños – eine dünne Schicht, die Feuchtigkeit hält und nebenbei düngt. Das funktioniert allerdings nur bei häufigen, kleinen Schnitten.
4. Gießen: zwei ehrliche Wege und ein falscher
Beim Wasser gibt es im Sommer genau zwei Strategien, die funktionieren. Die südliche: gar nicht gießen und den Rasen in die Sommerruhe gehen lassen. Er wird strohig, aber er stirbt nicht – die Wachstumspunkte sitzen geschützt am Boden, und mit dem ersten kräftigen Septemberregen ist die Fläche binnen zwei Wochen wieder grün. Die norddeutsche: richtig gießen, das heißt einmal pro Woche zehn bis fünfzehn Liter pro Quadratmeter, früh am Morgen, damit das Wasser wirklich in die Tiefe zieht.
Falsch ist nur der Mittelweg, den man am häufigsten sieht: jeden Abend ein paar Minuten Sprenger. Das befeuchtet nur die obersten Zentimeter, erzieht die Wurzeln nach oben und macht den Rasen von Woche zu Woche empfindlicher – man gießt sich seine Dürreschäden selbst heran.
5. Der Boden trägt den Sommer
Tiefe Wurzeln nützen nichts, wenn sie nicht in die Tiefe kommen. Verdichtete Flächen – der Spielbereich, die Mähspuren – lohnen ein Aerifizieren mit der Grabegabel oder dem Lüfterschuh; schwere Böden werden mit eingekehrtem Sand durchlässiger, magere Sandböden speichern mit etwas eingearbeitetem Kompost mehr Wasser. Die beste Zeit für all das und für die große Nachsaat ist der frühe Herbst: Der Boden ist noch warm, der Regen kommt zurück, und die jungen Gräser haben bis zum nächsten Hochsommer fast ein Jahr, um Wurzeln nach unten zu schicken. Wer im September sät, muss im Juli nicht bangen.
6. Mein Fazit
Der Rasen des Südens ist nicht schöner als unserer – er ist ehrlicher. Er verspricht kein englisches Grün im andalusischen Sommer, sondern überlebt mit tiefen Wurzeln, längerem Halm und der Gelassenheit, ein paar Wochen braun sein zu dürfen. Genau diese drei Dinge lassen sich übertragen: trockenverträgliche Mischungen bei jeder Nachsaat, fünf Zentimeter Schnitthöhe ab dem ersten Hitzetag, und Wasser entweder gründlich oder gar nicht. Unsere Sommer werden südlicher, ob wir wollen oder nicht. Der Rasen darf es auch.
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