Inseln, Natur und Gärten des Südens

Teneriffa abseits der Strände: Anaga-Gebirge, Bergdörfer und stille Pfade

Von Thomas · Unterwegs im Süden

Teneriffa hat einen zwiespältigen Ruf: Für die einen ist es die Insel der Bettenburgen im Süden, für die anderen eines der vielseitigsten Wanderziele Europas. Ich gehöre seit vielen Reisen zur zweiten Fraktion – und möchte in diesem Beitrag die Seiten der Insel zeigen, die man vom Pool aus nie zu sehen bekommt.

1. Das Anaga-Gebirge: der wilde Nordosten

Wenn ich nur einen Tag auf Teneriffa hätte, würde ich ihn im Anaga-Gebirge verbringen. Die zerklüftete Bergkette im Nordosten ist Biosphärenreservat und ein Relikt aus der Urzeit der Insel: schmale Grate, tiefe Schluchten und an den Nordhängen derselbe uralte Lorbeerwald, den ich von La Gomera so liebe.

Mein Klassiker ist die Runde von Cruz del Carmen nach Punta del Hidalgo: erst durch den Nebelwald, dann über einen aussichtsreichen Grat hinunter ans Meer, wo einem an der Küste die Gischt ins Gesicht weht. Unterwegs passiert man Weiler wie Chinamada, wo Menschen bis heute in Höhlenhäusern wohnen – mit Vorhängen vor dem Fels und Blumentöpfen vor der Tür.

2. Bergdörfer mit eigenem Kopf: Masca, Vilaflor und Co.

Das Bergdorf Masca im Teno-Gebirge gilt als das schönste der Insel, und auch wenn es mittags von Ausflugsbussen angefahren wird: Wer früh am Morgen oder am späten Nachmittag kommt, erlebt es fast allein. Die Häuser kleben auf einem Grat zwischen zwei Schluchten, und die Serpentinenstraße dorthin ist selbst schon ein Erlebnis – Beifahrer mit Höhenangst schauen besser auf die Bergseite.

  • Masca: Vor 10 Uhr oder nach 16 Uhr kommen, dazwischen gehört das Dorf den Bussen
  • Vilaflor: Eines der höchstgelegenen Dörfer Spaniens, umgeben von Kiefernwald und Weinterrassen
  • Garachico: Ehemaliger Haupthafen, von einem Lavastrom begraben und wieder aufgebaut – heute mit Meerwasser-Lavapools
  • La Orotava: Koloniale Altstadt mit geschnitzten Holzbalkonen und den schönsten Innenhöfen der Insel

3. Der Teide: mehr als ein Fotomotiv

Über allem thront der Teide, mit 3.715 Metern der höchste Berg Spaniens. Die Fahrt hinauf in die Caldera ist wie eine Reise auf einen anderen Planeten: Ab 2.000 Metern weicht der Kiefernwald einer Mondlandschaft aus Lavafeldern und bizarren Felstürmen. Wer den Gipfel besteigen will, braucht eine kostenlose Genehmigung, die Monate im Voraus vergriffen sein kann – oder er übernachtet in der Berghütte Altavista und steigt zum Sonnenaufgang auf, so wie ich es gemacht habe. Der Blick über das Wolkenmeer, wenn der Schatten des Berges wie ein Dreieck auf dem Atlantik liegt, gehört zu meinen stärksten Reisemomenten überhaupt.

4. Der grüne Norden: Gärten, Terrassen und ewiger Frühling

Was mich am Norden Teneriffas immer wieder fasziniert, ist das Klima. Der Passatwind bringt Feuchtigkeit, und zwischen Puerto de la Cruz und La Laguna wächst schlicht alles: Bananen auf Terrassen, Weinreben auf schwarzer Lavaerde, dazwischen Gärten voller Strelitzien, Hibiskus und Drachenbäume. Nicht umsonst nannte man die Kanaren früher die Inseln des ewigen Frühlings.

Wer sich für Pflanzen auch nur ein bisschen interessiert, sollte sich den alten Botanischen Garten in Puerto de la Cruz vormerken – ich habe dort einmal einen halben Tag verbracht und hätte bleiben können. Diese Gärten des Südens sind ein Thema für sich, dem ich hier auf dem Blog noch eigene Beiträge widmen werde.

5. Fazit: zwei Inseln zum Preis von einer

Teneriffa ist eigentlich zwei Inseln: die touristische im Süden und die echte überall sonst. Man muss dem Massentourismus nicht einmal ausweichen – ein Mietwagen und die Bereitschaft, vor dem Frühstück loszufahren, genügen völlig. Dann bekommt man Nebelwälder, Hochgebirge, Kolonialstädte und subtropische Gärten in einer Woche unter – und versteht, warum diese Insel Menschen seit Generationen nicht mehr loslässt.

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