Olivenernte vorbereiten: Was im August im mediterranen Garten zu tun ist
Wer im Oktober oder November gute Oliven ernten will, muss jetzt handeln. Der August gilt in Andalusien, der Toskana oder auf Kreta als stiller Monat im Ölbaumhain – tatsächlich entscheidet sich hier aber, wie üppig die Ernte ausfällt und wie gesund die Bäume durch den Winter kommen. Ich habe in den letzten Jahren gelernt: Wer im Hochsommer die Bewässerung vernachlässigt oder die Olivenfruchtfliege übersieht, zahlt im Herbst den Preis dafür.
Warum der August entscheidend ist
In dieser Zeit befinden sich die Oliven mitten in der sogenannten Kernverhärtung – die Steinkerne im Inneren der Früchte härten aus, während gleichzeitig das Fruchtfleisch an Volumen zunimmt. Stress durch Trockenheit oder Hitze über 38 Grad kann in dieser Phase dazu führen, dass Bäume Früchte abwerfen, um Energie zu sparen. Das passiert oft unbemerkt, bis man im September plötzlich deutlich weniger Oliven an den Zweigen zählt als noch im Juli.
Der Unterschied zwischen jungen und alten Bäumen
Junge Bäume bis fünf Jahre reagieren empfindlicher auf Wassermangel als hundertjährige Exemplare mit tiefreichenden Wurzeln. Wer also frisch gepflanzte Oliven im Garten hat, sollte im August besonders wachsam sein und notfalls zusätzlich wässern, während alte Bäume oft mit einer einzigen kräftigen Gabe pro Woche zurechtkommen.
Bewässerung richtig timen
Die Regel aus der Praxis lautet: lieber selten und durchdringend als häufig und oberflächlich. Für einen ausgewachsenen Olivenbaum reichen im August meist 40 bis 60 Liter Wasser alle zehn bis vierzehn Tage, direkt in den Wurzelbereich gegeben, nicht auf die Blätter. Tröpfchenbewässerung am frühen Morgen oder späten Abend verringert die Verdunstung erheblich gegenüber einer Mittagsbewässerung.
Wer keine automatische Bewässerung hat, gräbt am besten eine flache Mulde um den Stamm und lässt das Wasser dort langsam einsickern. So wird verhindert, dass es oberflächlich abläuft, ohne die Wurzeln überhaupt zu erreichen.
Bodenpflege und Mulchen
Ein gut gemulchter Boden hält die Feuchtigkeit deutlich länger als offene Erde in der prallen Sommersonne. Stroh, gehacktes Olivenlaub oder Rindenmulch, etwa fünf bis acht Zentimeter dick um den Stammbereich verteilt, senken die Bodentemperatur messbar um mehrere Grad und reduzieren die Verdunstung um bis zu 30 Prozent. Wichtig ist, den Mulch nicht direkt an den Stamm zu legen, da sonst Fäulnis entstehen kann.
Zusätzlich lohnt sich im August ein Blick auf den Unterwuchs: Konkurrierendes Unkraut entzieht dem Baum Wasser und Nährstoffe genau dann, wenn er sie am dringendsten braucht. Ein leichtes Hacken der obersten Bodenschicht unterbricht zudem die Kapillarwirkung und bremst weitere Feuchtigkeitsverluste.
Schädlinge und Krankheiten im Blick behalten
Die Olivenfruchtfliege
Kaum ein Schädling verursacht so viel Ärger wie Bactrocera oleae, die Olivenfruchtfliege. Sie legt ihre Eier bevorzugt in reifende Früchte, sobald diese eine gewisse Größe erreicht haben – meist ab Mitte August. Gelbtafeln oder Pheromonfallen, alle zwei bis drei Meter im Baum verteilt, geben einen guten Hinweis darauf, wie stark der Befall in der eigenen Anlage bereits ist.
Pilzkrankheiten bei feuchtwarmer Witterung
Nach sommerlichen Gewittern mit hoher Luftfeuchtigkeit tritt gelegentlich der Olivenschorf oder die Pfauenaugenkrankheit auf, erkennbar an dunklen Flecken auf den Blättern. Wer regelmäßig ausdünnt und für gute Luftzirkulation in der Krone sorgt, senkt das Risiko deutlich, ohne gleich zu chemischen Mitteln greifen zu müssen.
Schnittmaßnahmen im Spätsommer
Der große Rückschnitt gehört zwar in den Winter oder frühen Frühling, doch im August ist ein leichter Formschnitt durchaus sinnvoll. Wassertriebe, die senkrecht aus dem Kroneninneren schießen, nehmen dem Baum Energie und Licht, ohne selbst Früchte zu tragen – sie können jetzt schon entfernt werden.
Auch beschädigte oder von Schildläusen befallene Zweige sollten zeitnah herausgeschnitten werden, damit sich Schädlinge nicht über den ganzen Baum ausbreiten. Werkzeug dabei stets mit Alkohol oder Essig desinfizieren, um Krankheiten nicht von Baum zu Baum zu übertragen.
Erntewerkzeug und Netze vorbereiten
Spätestens jetzt lohnt sich die Inventur im Schuppen. Wer erst im Oktober merkt, dass die Erntenetze Löcher haben oder die Rüttelstäbe verbogen sind, verliert wertvolle Zeit während des engen Erntefensters.
- Erntenetze auf Risse prüfen und bei Bedarf neue in passender Größe besorgen
- Rüttelstäbe oder elektrische Erntegeräte auf Funktion testen
- Kisten und Säcke für den Transport zur Mühle reinigen und lüften
- Leitern auf Stabilität und Standfestigkeit im unebenen Gelände kontrollieren
- Termine bei der lokalen Ölmühle für die voraussichtliche Erntezeit erfragen
Gerade in beliebten Anbauregionen wie der Provence oder Apulien sind die Mühlen zur Hauptsaison oft ausgebucht. Ein früher Anruf im August sichert einen Pressetermin, ohne dass die Früchte tagelang warten müssen und an Qualität verlieren.
Weitere Gartenarbeiten im mediterranen Garten im August
Neben den Oliven verlangen auch andere mediterrane Pflanzen jetzt Aufmerksamkeit. Zitrusbäume brauchen regelmäßige, aber moderate Wassergaben, während Lavendel und Rosmarin nach der Blüte einen leichten Rückschnitt vertragen, der die Pflanzen kompakt und blühfreudig hält.
Feigenbäume tragen in dieser Zeit oft ihre zweite Ernte, die sogenannten Herbstfeigen, und sollten täglich kontrolliert werden, da reife Früchte schnell von Wespen und Vögeln entdeckt werden. Wer einen Kräutergarten hat, erntet Thymian und Oregano am besten in den Vormittagsstunden, wenn die ätherischen Öle am konzentriertesten sind.
Fazit für den August im Olivenhain
Die Vorbereitung auf die Olivenernte beginnt nicht erst mit dem ersten Netz unter dem Baum, sondern mit aufmerksamer Pflege Wochen vorher. Wer im August auf ausreichende, aber nicht übermäßige Bewässerung achtet, Schädlinge früh erkennt und die Ernteausrüstung rechtzeitig checkt, geht deutlich entspannter in die eigentliche Erntesaison. Am Ende zeigt sich der Lohn dieser Mühe im Herbst – in vollen Kisten und in einem Öl, das die Sorgfalt des ganzen Sommers widerspiegelt.