Einen mediterranen Garten anlegen: Kies, Kräuter und südliches Flair zu Hause
Nach Jahren des Experimentierens mit einzelnen Südländern habe ich vor einiger Zeit Ernst gemacht und einen ganzen Bereich unseres Gartens mediterran umgebaut. Das Ergebnis ist der Teil des Gartens, in dem wir heute am meisten sitzen – und der am wenigsten Arbeit macht. In diesem Beitrag beschreibe ich Schritt für Schritt, wie ich vorgegangen bin und was ich beim nächsten Mal anders machen würde.
1. Der richtige Platz: Sonne ist nicht verhandelbar
Ein mediterraner Garten braucht den sonnigsten Platz, den das Grundstück hergibt – bei uns ist es die Südwestecke vor der Garagenwand. Mindestens sechs Stunden Sonne sollten es sein, und je mehr Wärme speichernde Flächen in der Nähe sind (Mauern, Pflaster, Hauswand), desto besser. Windschutz ist der zweite Faktor: Der stetige kalte Wind schadet den Südländern bei uns mehr als der Frost selbst.
2. Der Boden: einmal richtig, dann nie wieder
Der eigentliche Umbau spielt sich unter der Erde ab. Unser Lehmboden hätte jeden Lavendel im ersten Winter ertränkt, also habe ich den Bereich 40 Zentimeter tief ausgehoben und neu aufgebaut: unten eine Schicht groben Schotter als Drainage, darüber ein Gemisch aus Erdaushub, Sand und Splitt im Verhältnis von etwa je einem Drittel. Das klingt nach Arbeit – und war es auch –, aber es ist die eine Investition, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.
- Drainage testen: Ein Loch graben, mit Wasser füllen – steht es nach einer Stunde noch, braucht der Boden den vollen Umbau
- Leicht erhöht anlegen: Schon 20–30 Zentimeter über Gartenniveau halten die Wurzeln spürbar trockener
- Mager bleiben: Kein Kompost, kein Dünger – mediterrane Pflanzen wollen karg stehen
3. Kies, Terrakotta, Holz: die Kulisse des Südens
Das südliche Gefühl entsteht zur Hälfte aus den Materialien. Ich habe mich für hellen Kalksplitt als Bodenabdeckung entschieden – er reflektiert Licht, hält Feuchtigkeit im Boden und unterdrückt Unkraut. Dazu ein paar größere Bruchsteine als Struktur, Terrakottatöpfe in verschiedenen Größen und eine einfache Holzpergola, an der inzwischen eine Weinrebe wächst. Wichtig war mir, nicht ins Deko-Klischee zu kippen: keine Plastik-Amphoren, keine Souvenir-Sonnen an der Wand. Der Süden wirkt durch Material und Pflanzen, nicht durch Accessoires.
4. Die Bepflanzung: Gerüst zuerst, Duft dazu
Bei der Pflanzenwahl habe ich mich an die Struktur-Regel aus den großen Gärten des Südens gehalten: erst das Gerüst, dann die Füllung. Zwei Säulenwacholder geben die Vertikale (die Zypressen-Silhouette, nur winterhart), eine Feige an der Wand den Baum-Charakter, dazwischen die Duft-Klassiker in Gruppen.
- Gerüst: Säulenwacholder, Feige, eine Strauchrose als Kompromiss an die Ehefrau – funktioniert erstaunlich gut im Kiesbeet
- Duftschicht: Echter Lavendel (fünf Pflanzen einer Sorte wirken besser als fünf verschiedene), Rosmarin, Salbei, Currykraut
- Bodendecker: Kriechender Thymian zwischen den Trittsteinen – jeder Schritt duftet
- Kübel-Gäste: Olive und Zitronenverbene stehen von Mai bis Oktober draußen und ziehen im Winter ins Quartier
5. Pflege: die angenehmste Überraschung
Der mediterrane Bereich ist heute der pflegeleichteste Teil unseres Gartens. Gegossen wird nur in langen Trockenphasen und bei den Kübeln, gedüngt praktisch gar nicht, und der Splitt hält das Jäten in Grenzen. Die einzige feste Aufgabe ist der Schnitt: Lavendel und Co. brauchen nach der Blüte und im Frühjahr einen beherzten Rückschnitt, sonst verkahlen sie von innen. Alles in allem: deutlich weniger Arbeit als jedes Staudenbeet – und unvergleichlich weniger als Rasen.
6. Fazit: ein Stück Süden, das bleibt
Wenn ich heute an einem Sommerabend zwischen Lavendel und Feige sitze, mit dem Duft von warmem Thymian in der Luft, dann ist das kein Ersatz für die Reisen in den Süden – aber es ist eine Verlängerung davon. Der Garten erinnert mich jeden Tag daran, was ich auf den Inseln und am Mittelmeer gelernt habe: mit dem Standort arbeiten statt gegen ihn, Struktur vor Farbe, und lieber wenige Dinge richtig als viele halb.
Und das Schönste: Angefangen habe ich mit einer Handvoll Kräutern in Terrakottatöpfen. Wer den Süden nach Hause holen will, braucht keinen Bagger – nur einen sonnigen Quadratmeter und Lust auf den ersten Lavendel.
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