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Mallorca im September: Wandern, Weinfeste und leere Buchten

1. August 2026

Wer Mallorca nur aus dem Hochsommer kennt, mit vollen Straßen nach Deià und Handtuchschlachten in Cala Mondragó, sollte die Insel unbedingt im September erleben. Die großen Reisegruppen sind weg, die Wassertemperatur liegt noch bei angenehmen 24 bis 25 Grad, und die Landschaft riecht nach reifen Trauben und trockenem Kraut. Für mich ist das mittlerweile die beste Zeit im Jahr, um auf der Insel unterwegs zu sein – ruhiger, günstiger und irgendwie ehrlicher als im Juli.

Wandern ohne Hitzschlag-Risiko

Im Juli und August ist Wandern im Tramuntana-Gebirge streckenweise Selbstüberwindung – ab 10 Uhr morgens knallt die Sonne gnadenlos auf den Kalkstein. Im September sinken die Temperaturen tagsüber auf angenehme 26 bis 29 Grad, morgens und abends ist es oft deutlich kühler. Das macht Strecken wie den Aufstieg zum Puig de Massanella oder die Küstenwanderung von Valldemossa nach Deià wieder zu einem Vergnügen statt einer Prüfung.

Besonders empfehlenswert ist die Route von Sóller über den Barranc de Biniaraix hinauf zum Cornadors-Plateau. Das gepflasterte Trockenmauerwerk der alten Maultierpfade ist im September oft menschenleer, man teilt sich den Weg höchstens mit ein paar Ziegen und vereinzelten spanischen Wanderern. Wer es etwas kürzer mag, findet in der Serra de Tramuntana zahlreiche Halbtagestouren, die von den Dörfern Fornalutx oder Orient aus starten.

Praktische Hinweise für Wanderer

Weinlese und Fira des Vermar

September ist auf Mallorca Erntemonat, und nirgendwo spürt man das intensiver als in Binissalem. Das kleine Weinstädtchen im Inselinneren feiert traditionell am letzten Septemberwochenende die Fira des Vermar, das Weinfest zur Traubenernte. Die Plaça de l'Església verwandelt sich dann in eine große Freiluftbühne mit Trauben-Wettkämpfen, bei denen Teilnehmer barfuß Trauben stampfen – durchaus schweißtreibend und ziemlich unterhaltsam anzuschauen.

Die umliegenden Bodegas, etwa Macià Batle oder José Luis Ferrer, öffnen an diesem Wochenende ihre Tore für Verkostungen. Der lokale Rebsorten-Mix aus Manto Negro und Callet ergibt Rotweine, die kräftiger und erdiger schmecken als viele spanische Festlandweine – ein Grund, warum sie außerhalb Mallorcas kaum bekannt sind. Wer es ruhiger mag, fährt einfach unter der Woche in eine der Bodegas und lässt sich eine Führung durch die Weinberge geben, meist ohne Voranmeldung möglich.

Weitere Weinorte abseits des Trubels

Auch Felanitx und die Region um Manacor lohnen einen Ausflug, gerade weil sie touristisch weniger erschlossen sind als Binissalem. In kleinen Bodegas wie Vins Miquel Gelabert trifft man häufig auf den Winzer selbst, der bereitwillig über die Böden aus rotem Lehm und Kalkstein erzählt. Ein Glas Wein auf der Terrasse mit Blick auf die Weinberge, während im Hintergrund Grillenzirpen einsetzt – genau das macht den September auf Mallorca aus.

Buchten fast für sich allein

Das größte Argument für einen September-Besuch bleiben aber die Strände. Cala Deià, im August hoffnungslos überfüllt, ist unter der Woche im September oft nur mit ein paar Dutzend Menschen besetzt. Auch die versteckten Buchten im Südosten wie Cala Mitjaneta oder Cala Fustam, die man über unbefestigte Wege erreicht, wirken auf einmal wieder wie das Mallorca aus alten Reiseberichten.

Besonders empfehlenswert ist die Region um Cap de Formentor, wo die Buchten Cala Figuera und Cala Murta selbst zur Mittagszeit noch Platz für ausgebreitete Handtücher bieten. Das Wasser ist im September oft klarer als im Hochsommer, weil weniger Boote unterwegs sind und der Sand sich weniger aufwirbelt. Auch die Strandbars und Chiringuitos haben meist noch bis Ende Oktober geöffnet, arbeiten aber spürbar entspannter als in der Hauptsaison.

Baden mit Weitblick

Wer noch etwas Sonnenbrand-Risiko einkalkulieren möchte, findet an der Südwestküste bei Cala Pi oder Cala Llombards ideale Bedingungen zum Schnorcheln – die Sicht unter Wasser ist im September regelmäßig hervorragend. Die Wassertemperatur hält sich zudem bis in den Oktober hinein bei angenehmen 23 bis 24 Grad, weil das Mittelmeer die Sommerhitze speichert. Ein Neoprenanzug ist zu dieser Jahreszeit definitiv nicht nötig.

Anreise, Preise und Wetter im Überblick

Flüge und Unterkünfte sind im September spürbar günstiger als im Juli oder August, teilweise 20 bis 30 Prozent unter Hochsaisonpreisen. Auch Mietwagen sind leichter verfügbar, was auf einer Insel, auf der viele der schönsten Ecken nur mit dem Auto erreichbar sind, ein echter Vorteil ist. Gelegentliche Spätsommergewitter, meist gegen Ende des Monats, sorgen zudem für spektakuläre Wolkenformationen über der Serra de Tramuntana, ohne den Urlaub ernsthaft zu stören.

Wer Mallorca abseits der Klischees erleben will – ruhige Wanderpfade, authentische Weinfeste und Buchten ohne Menschenmassen – trifft im September genau die richtige Balance. Die Insel zeigt sich in diesem Monat von einer Seite, die viele Sommerurlauber schlicht nie zu sehen bekommen.