Lanzarote: Reise durch die Vulkanlandschaften von Timanfaya
Keine Insel hat mein Bild von Landschaft so verschoben wie Lanzarote. Wo anderswo Wälder und Wiesen wären, liegen hier Lavafelder bis zum Horizont, schwarz und rostrot, mit Vulkankegeln wie aus dem Lehrbuch. Was nach Ödnis klingt, ist in Wahrheit eine der eindrucksvollsten Kulturlandschaften Europas – und ein Reiseziel, das ich lange unterschätzt habe.
1. Timanfaya: wo die Erde noch warm ist
Zwischen 1730 und 1736 begruben Vulkanausbrüche ein Viertel der Insel unter Lava und Asche. Der Nationalpark Timanfaya bewahrt diese Feuerberge bis heute – und sie sind alles andere als kalt. An der Islote de Hilario schütten die Ranger Wasser in ein Bohrloch, das Sekunden später als Dampffontäne herausschießt; wenige Meter unter der Oberfläche herrschen mehrere hundert Grad.
Durch den Kernbereich darf man nur mit dem Bus oder auf geführten Touren – was ich erst schade fand und heute für richtig halte. Die Lavaflächen sind so unberührt, dass jede Fußspur Jahrzehnte sichtbar bliebe. Wer selbst laufen will: Am Rand des Parks führt der Küstenweg von El Golfo Richtung Playa del Paso durch jüngere Lavafelder – schwarze Klippen, kochende Brandung, kein Schatten weit und breit. Unvergesslich.
2. César Manrique: der Mann, der die Insel rettete
Dass Lanzarote heute so aussieht, wie es aussieht, verdankt es einem einzigen Mann. Der Künstler César Manrique setzte in den 1970ern durch, dass die Insel weiß gekalkte Häuser, grüne Fensterläden und ein Verbot großer Werbetafeln behielt – und schuf gleichzeitig Orte, an denen Kunst und Vulkan verschmelzen.
- Jameos del Agua: Eine Lavaröhre mit unterirdischem See, Konzertsaal und blendend weißem Palmengarten
- Mirador del Río: Aussichtskanzel im Fels mit Blick auf die Nachbarinsel La Graciosa
- Fundación César Manrique: Sein Wohnhaus, gebaut IN fünf Lavablasen – für mich das beeindruckendste Museum der Kanaren
- Jardín de Cactus: Ein ehemaliger Steinbruch voller tausender Kakteen – der Beweis, dass selbst Vulkanasche ein Garten werden kann
3. Weinbau in der Asche: La Geria
Das Erstaunlichste an Lanzarote ist für mich, wie die Menschen der Katastrophe von 1730 einen Nutzen abgerungen haben. Im Weinbaugebiet La Geria gräbt man bis heute Trichter in die Vulkanasche, pflanzt in jeden eine einzelne Rebe und schützt sie mit einer halbrunden Steinmauer vor dem Passatwind. Zehntausende dieser Trichter überziehen die schwarzen Hänge – eine Landschaft, die es so kein zweites Mal gibt.
Die Asche speichert nachts Feuchtigkeit und gibt sie an die Wurzeln ab – so wächst hier Wein praktisch ohne Regen. Der Malvasía, den man in den Bodegas am Straßenrand probieren kann, schmeckt nach Vulkan: mineralisch, trocken, eigenwillig. Als Gärtner im Geiste nehme ich von dort jedes Mal dieselbe Lektion mit: Mit dem richtigen Umgang mit Boden und Wind wächst fast überall etwas.
4. Praktisches für die Vulkanrunde
- Mietwagen: Ohne eigenes Auto verpasst man die Hälfte – die Businseln sind schnell abgehakt, die Zwischenstopps sind das Eigentliche
- Früh im Timanfaya sein: Ab Mittag stauen sich die Autos vor der Einfahrt, morgens um 9 fährt man fast allein
- Sonnenschutz ernst nehmen: Auf den Lavafeldern gibt es keinen Meter Schatten, und der Wind täuscht über die Sonne hinweg
- Feste Schuhe: Lavagestein ist scharfkantig wie Glas – Sandalen enden blutig
5. Fazit: Schönheit auf den zweiten Blick
Lanzarote ist kein Ziel für den ersten Blick – es ist eines für den zweiten und dritten. Wer sich auf die Insel einlässt, entdeckt eine Landschaft, die von Zerstörung erzählt und gleichzeitig davon, was Menschen daraus machen können: Weinberge in der Asche, Gärten im Steinbruch, Kunst in der Lavaröhre. Ich bin jedes Mal aufs Neue beeindruckt – und komme mit vollen Speicherkarten und neuen Ideen zurück.
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