La Gomera zu Fuß: meine schönsten Wanderungen auf der grünen Insel
Es gibt Inseln, die besucht man einmal – und es gibt La Gomera. Seit meinem ersten Wanderurlaub dort komme ich immer wieder zurück, und jedes Mal finde ich einen Pfad, den ich noch nicht kannte. Die zweitkleinste Kanareninsel ist ein einziges Wandernetz: über 600 Kilometer markierte Wege auf einem Eiland, das man an einem Tag umrunden könnte. In diesem Beitrag teile ich meine liebsten Touren und ein paar Dinge, die ich unterwegs gelernt habe.
1. Der Nationalpark Garajonay: Nebelwald wie aus einer anderen Zeit
Das Herz der Insel ist der Garajonay-Nationalpark, ein uralter Lorbeerwald, der zum UNESCO-Welterbe gehört. Wer hier zum ersten Mal unter den moosbehangenen Bäumen steht, während der Passatnebel durch die Äste zieht, versteht sofort, warum die Gomeros diesen Wald für verwunschen halten. Es ist kühl, still und grün – ein größerer Kontrast zu den Stränden im Süden ist kaum denkbar.
Meine Lieblingsrunde startet am Besucherzentrum Juego de Bolas und führt über den Contadero zum höchsten Punkt der Insel, dem Alto de Garajonay auf 1.487 Metern. An klaren Tagen sieht man von dort Teneriffa mit dem Teide, La Palma und El Hierro gleichzeitig – einer der besten Aussichtspunkte des ganzen Archipels.
2. Das Valle Gran Rey: der Klassiker mit Höhenmetern
Der Abstieg vom Hochland ins Valle Gran Rey ist für mich die schönste Halbtagestour der Insel. Vom Startpunkt an der Ermita de los Reyes geht es durch Palmenhaine und vorbei an alten Terrassenfeldern hinunter ans Meer – gut 1.000 Höhenmeter, die in den Knien stecken bleiben, aber jede Kehre wert sind.
- Kondition: Bergab klingt harmlos, ist aber bei über 1.000 Höhenmetern fordernder als gedacht – Stöcke helfen enorm
- Rückweg: Nicht zurücklaufen, sondern das Wanderbusnetz oder ein Taxi nutzen – vorher Zeiten prüfen
- Einkehr: Unten im Tal mit einem frisch gepressten Saft belohnen, die Bananen kommen von den Terrassen direkt nebenan
- Zeitpuffer: Für Fotos und Pausen locker eine Stunde mehr einplanen als die Wanderführer angeben
3. Stille Pfade im Nordosten: Hermigua und El Cedro
Wenn mir der Trubel im Valle Gran Rey zu viel wird, fahre ich in den Nordosten nach Hermigua. Das Tal gilt als eines der grünsten der Kanaren, und der Weg von der Ermita Nuestra Señora de la Encarnación hinauf zum Weiler El Cedro gehört zu den stillsten, die ich kenne. Man läuft an Wasserläufen entlang – ja, fließendes Wasser auf einer Kanareninsel! – und erreicht am Ende einen winzigen Ort mit einer Handvoll Häuser und einer Bar, die den besten Wachtelbohneneintopf der Insel serviert.
Von El Cedro aus lässt sich die Tour durch die Schlucht weiter zum Wasserfall El Chorro verlängern. Der Pfad ist stellenweise schmal und rutschig, aber wer trittsicher ist, wird mit einer Szenerie belohnt, die eher an Madeira oder die Azoren erinnert als an das trockene Klischee der Kanaren.
4. Was ich auf La Gomera übers Wandern gelernt habe
Die Insel hat ihre Eigenheiten, und ein paar davon musste ich auf die harte Tour lernen. Das Wichtigste: Die Höhenlage entscheidet über das Wetter. Während unten an der Küste die Sonne brennt, hängt der Gipfelbereich oft im Passatnebel – und dann wird es empfindlich kalt und feucht.
- Zwiebelprinzip: Immer eine Wind- und Regenjacke im Rucksack, auch wenn unten 25 Grad sind
- Wasser: Mindestens zwei Liter pro Person – Quellen und Bars gibt es nur in den Tälern
- Früh starten: Am Vormittag ist die Sicht am besten, mittags zieht im Hochland oft der Nebel zu
- Karte offline: Das Mobilfunknetz hat in den Schluchten große Löcher – Wander-App mit Offline-Karten ist Pflicht
5. Fazit: eine Insel, die entschleunigt
La Gomera ist kein Ziel für Strandurlauber, und genau das macht ihren Reiz aus. Wer gern zu Fuß unterwegs ist, findet hier auf kleinstem Raum eine Vielfalt, die andernorts ganze Regionen füllen würde: Nebelwald, Palmentäler, Vulkanküste und Bergdörfer, in denen die Zeit langsamer läuft.
Ich habe auf dieser Insel gelernt, wieder in Tagesetappen zu denken statt in Terminen – und genau dieses Gefühl nehme ich nach jeder Reise mit nach Hause. Wie man sich ein Stück von diesem südlichen Lebensgefühl dauerhaft in den Alltag holt, dazu bald mehr an dieser Stelle.
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