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Kykladen abseits von Santorin: Drei stille Inseln für den Spätsommer

1. August 2026

September und Oktober sind auf den Kykladen die eigentliche Hochsaison, auch wenn das kaum jemand weiß. Das Meer hat noch seine 24 Grad, die Busse fahren seltener voll, und auf Santorin drängen sich trotzdem täglich mehrere Kreuzfahrtschiffe vor Fira. Wer diesem Betrieb entkommen will, muss gar nicht weit reisen – eine Fähre weiter liegen Inseln, auf denen man abends noch einen Tisch ohne Reservierung bekommt.

Ich bin die drei folgenden Inseln in den letzten Jahren jeweils im September besucht, mit dem Blue Star Ferries oder kleineren Katamaranen ab Piräus oder Naxos. Alle drei haben eines gemeinsam: keinen einzigen Nachtclub, dafür Tavernen, in denen der Wirt noch selbst kocht und nicht nur bestellt.

Sikinos: die Insel, die selbst Griechen vergessen haben

Sikinos liegt zwischen Ios und Folegandros, zwei deutlich bekannteren Nachbarn, und genau das schützt sie. Die Fähre legt im winzigen Hafen Alopronia an, wo es genau drei Tavernen und ein Zimmerhaus gibt. Von dort fährt ein einziger Linienbus zwölfmal am Tag hinauf ins Chora, das eigentliche Dorf, das auf einem Felsrücken liegt und bei Sonnenuntergang komplett in Orange getaucht wird.

Was man dort tun sollte

Der Wanderweg vom Chora zum verlassenen Kloster Episkopi führt durch trockenes Weideland mit Ziegenglocken im Hintergrund – etwa 45 Minuten einfach, kaum Schatten, also früh morgens gehen. Am Strand von Malta, einer kleinen Bucht mit Kieseln und smaragdgrünem Wasser, standen bei meinem letzten Besuch Ende September insgesamt vier Handtücher.

Gegessen habe ich am besten bei einer Taverne namens Klimataria im Chora, wo die Besitzerin Bohnen mit Rosmarin aus dem eigenen Garten serviert und keine englische Karte hat. Man bestellt, indem man in die Küche schaut und zeigt.

Anafi: das Ende der Kykladen, geografisch und atmosphärisch

Anafi liegt östlich von Santorin, gut zwei Stunden Fähre entfernt, und wirkt wie eine Insel aus einer anderen Zeit. Viele Bewohner sind Nachkommen jener Arbeiter, die im 19. Jahrhundert für den Bau des Suezkanals nach Ägypten gingen und dann zurückkehrten – das erklärt auch die auffällig vielen Steinhäuser mit ägyptisch anmutenden Fassadendetails im Chora.

Der große Trumpf der Insel ist der Kalamos, ein monolithischer Felsen an der Ostspitze, der als einer der größten Monolithen Europas gilt – höher als der Felsen von Gibraltar, auch wenn das kaum jemand glaubt, bis er davorsteht. Der Aufstieg zum Kloster Panagia Kalamiotissa oben auf dem Felsen dauert etwa zwei Stunden und sollte nicht in der Mittagshitze angegangen werden.

Strände ohne Sonnenschirm-Ketten

Der Hauptstrand Klisidi liegt direkt unterhalb des Chora und hat feinen Sand, aber wirklich schön wird es erst an den Stränden weiter östlich wie Roukounas, die man nur zu Fuß oder per Mietroller erreicht. Dort gibt es keine organisierten Liegen, nur Tamariskenbäume als Schatten und meistens außer einem selbst niemanden.

Übernachtet habe ich in einem einfachen Familienzimmer oberhalb des Hafens Agios Nikolaos, 45 Euro die Nacht Ende September, mit Blick auf den Kalamos-Felsen beim Frühstück. Restaurants gibt es vielleicht acht auf der ganzen Insel, alle mit ähnlicher, ehrlicher Küche: gegrillter Fisch, Ziegenkäse, hausgemachter Wein aus Plastikkaraffen.

Serifos: wilde Berge und ein Hauptort wie ein Amphitheater

Serifos ist von den dreien die am leichtesten erreichbare – etwa zwei Stunden zwölf mit der Schnellfähre von Piräus – und trotzdem bleibt sie touristisch unterversorgt, weil sie kein Postkartenmotiv wie Santorin oder Mykonos hat. Was sie stattdessen hat, ist eine schroffe, fast trockene Berglandschaft mit alten Eisenminen, in denen bis in die 1960er Jahre gearbeitet wurde.

Die Chora klettert steil einen Hügel hinauf bis zur Kastro-Ruine ganz oben, von wo man bei klarer Sicht bis zu den Nachbarinseln Sifnos und Kythnos blickt. Der Aufstieg zu Fuß vom Hafenort Livadi dauert gut 30 Minuten über gepflasterte Wege, die im Abendlicht besonders gut aussehen.

Strände, die man sich erwandern muss

Der Hauptstrand von Livadi ist bequem, aber die wirklich guten Buchten wie Agios Sostis oder Psili Ammos liegen 20 bis 40 Minuten Fußweg entfernt und sind an normalen Tagen fast leer. Psili Ammos gilt als einer der schönsten Sandstrände der gesamten Kykladen – flaches, türkises Wasser, feiner weißer Sand, keine einzige Strandbar.

Zum Essen bin ich mehrfach ins Bergdorf Panagia gefahren, ein Weiler mit vielleicht 40 Einwohnern, wo eine einzige Taverne samstags frisches Ziegenfleisch aus dem Ofen serviert – man muss vorher anrufen, um zu wissen, ob überhaupt geöffnet ist.

Praktisches zur Anreise im Spätsommer

Alle drei Inseln sind bis Ende Oktober an das Fährnetz ab Piräus angebunden, danach dünnt der Fahrplan drastisch aus. Wer flexibel bleiben will, bucht Tickets erst zwei, drei Tage im Voraus über die griechischen Fährgesellschaften direkt, weil Ausfälle wegen Wind im September keine Seltenheit sind.

Mietwagen oder zumindest ein Roller lohnen sich auf allen drei Inseln, da die Busverbindungen außerhalb der Hauptsaison auf wenige Fahrten am Tag reduziert werden. Bargeld sollte man ausreichend dabeihaben, denn Kartenzahlung ist in den kleinen Tavernen und Zimmervermietungen oft noch die Ausnahme, nicht die Regel.

Warum sich der Umweg lohnt

Keine dieser drei Inseln bietet Infinity-Pools oder Instagram-Sonnenuntergänge mit Champagner. Was sie bieten, ist das, was viele auf Santorin eigentlich suchen und dort längst nicht mehr finden: echte Ruhe, echte griechische Küche, echte Gespräche mit Menschen, die noch von ihrer Insel und nicht vom Tourismus-Marketing leben.

Wer im September oder Oktober noch einmal die alten Kykladen erleben will, bevor auch dort die großen Hotelketten Fuß fassen, sollte jetzt fahren – nicht in fünf Jahren.