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Geheime Buchten Sardiniens: Wo man im August dem Massentourismus entkommt

1. August 2026

Wer im August zum ersten Mal nach Sardinien fährt und sich auf Postkarten-Fotos von der Costa Smeralda verlässt, erlebt spätestens am zweiten Tag einen Schock: Parkplätze, die um neun Uhr morgens schon voll sind, Bootsverleiher, die dreistellige Beträge für zwei Stunden verlangen, und Strände, auf denen man sein Handtuch kaum noch ausrollen kann. Dabei liegt die eigentliche Insel oft nur eine halbe Stunde abseits davon – man muss nur wissen, wohin.

Warum der August auf Sardinien zur Herausforderung wird

Im August verdoppelt sich die Einwohnerzahl Sardiniens durch Touristen, viele davon Italiener aus Mailand und Rom, die den ganzen Monat vor Ort verbringen. Die bekannten Buchten wie Cala Mariolu oder La Pelosa werden in den Reiseführern seit Jahren als Geheimtipps gehandelt, sind es aber längst nicht mehr. Wer echte Ruhe sucht, muss entweder sehr früh aufstehen, sehr weit fahren oder beides.

Die gute Nachricht: Sardinien hat über 1.800 Kilometer Küste, und ein Großteil davon ist zu Fuß, mit dem Boot oder über unbefestigte Straßen erreichbar. Genau diese Zugangshürde ist der beste Schutz vor Massen.

Der Osten: Buchten jenseits der Costa Smeralda

Cala Goloritzé – aber richtig, nicht wie im Reiseführer

Cala Goloritzé bei Baunei gilt offiziell als Naturmonument und ist tatsächlich spektakulär, mit ihrem freistehenden Felsturm und dem türkisen Wasser. Das Problem: Mittags ist sie über den Wanderweg von Golgo aus in 40 Minuten erreichbar und entsprechend voll. Wer um 7 Uhr morgens startet, hat die Bucht für sich – ich war letzten August dort und zählte bis 8:30 Uhr genau vier andere Menschen.

Der Zugangsweg ist kostenpflichtig, etwa 5 Euro, und muss vorher online reserviert werden, da die Anzahl der Tagesbesucher begrenzt ist. Genau diese Beschränkung sorgt paradoxerweise dafür, dass die Bucht trotz Bekanntheit nie völlig überfüllt wirkt.

Cala Mariolu und die Sache mit dem Boot

Cala Mariolu erreicht man klassischerweise per Boot von Cala Gonone oder Santa Maria Navarrese aus, und genau deshalb ist sie zur Mittagszeit ein einziges Gedränge aus Tagesausflugsbooten. Der Trick: Es gibt einen anspruchsvollen Wanderweg von Su Sercone aus, etwa zwei Stunden über Geröll und Macchia, den kaum ein Bootstourist kennt. Wer diesen Weg nimmt, kommt verschwitzt an, aber praktisch allein.

Alternativ funktioniert auch ein privates Kajak oder SUP von einer der weniger frequentierten Anlegestellen aus – deutlich günstiger als die organisierten Bootstouren und flexibler in der Zeitplanung.

Der Südosten: Villasimius ohne die Massen

Villasimius selbst ist im August ein Albtraum aus Verkehr und vollen Stränden, aber wenige Kilometer nördlich liegt Cala Pira, eine kleine Bucht mit einem markanten Wachturm aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist deutlich kleiner als die bekannten Strände der Region, weshalb sie selten in Reiseblogs auftaucht – es passen einfach nicht genug Menschen hinein, um sie „instagram-tauglich“ zu machen.

Noch ruhiger ist Cala Giunco im Naturschutzgebiet Capo Carbonara, allerdings nur zu Fuß über einen 20-minütigen Weg vom Parkplatz aus erreichbar. Der Sand ist feiner, das Wasser flacher, und weil es keine Bar, keine Sonnenschirmverleihe und keine Toiletten gibt, bleiben viele Tagesgäste einfach weg.

Der Westen: Wo die Deutschen noch nicht hinfahren

Costa Verde und die Dünen von Piscinas

Der Westen Sardiniens, speziell die Costa Verde südlich von Oristano, ist touristisch bei weitem nicht so erschlossen wie der Osten, obwohl die Landschaft mindestens ebenso dramatisch ist. Die Dünen von Piscinas erreichen bis zu 60 Meter Höhe und wirken fast wie eine Wüste direkt am Meer. Selbst im August findet man hier kilometerlange Strandabschnitte fast menschenleer, weil die Anfahrt über staubige Pisten viele abschreckt.

Der Grund für die geringere Auslastung liegt auch an der Infrastruktur: Es gibt kaum große Hotels, dafür ein paar wenige Agriturismi und ein historisches Bergarbeiterdorf-Hotel in Ingurtosu. Wer authentisches, unaufgeregtes Sardinien sucht, findet hier mehr Substanz als an jeder Strandpromenade der Costa Smeralda.

Praktische Tipps für den August

Ein paar Grundregeln haben sich bei meinen eigenen Sardinien-Reisen als zuverlässig erwiesen, egal welche Bucht man ansteuert:

Fazit

Die wirklich stillen Buchten Sardiniens verstecken sich nicht in Geheimtipp-Listen, sondern hinter einer halben Stunde Fußweg, einer holprigen Piste oder einer Uhrzeit vor Sonnenaufgang. Wer bereit ist, diesen kleinen Preis zu zahlen, bekommt im August genau das Sardinien, das die meisten Besucher nur auf Fotos sehen – leeres Türkiswasser, warmer Fels unter den Füßen und keine Musik aus fremden Bluetooth-Boxen.