Inseln, Natur und Gärten des Südens

Gartenarbeit im August: Was der Mittelmeerraum jetzt tut – und was der deutsche Garten davon lernen kann

Von Thomas · Unterwegs im Süden

Wer den Süden nur im August kennt, könnte seine Gärtner für unsichtbar halten. In Sevilla habe ich sie einmal gesehen – morgens kurz nach sechs, als die Parkbewässerung lief und die Wege gefegt wurden. Zwei Stunden später waren sie verschwunden, und die Stadt gehörte bis zum Abend der Hitze. Der August ist im Mittelmeerraum der Monat des Stillhaltens: Der Garten wird nicht gestaltet, er wird durchgebracht. Je südlicher unsere eigenen Sommer werden, desto nützlicher wird genau diese Haltung – denn die meisten Augustfehler im deutschen Garten entstehen nicht aus Faulheit, sondern aus Fleiß zur falschen Zeit.

1. Die Siesta des Gartens: Stillstand als Strategie

Im Süden pflanzt im August niemand, niemand schneidet größere Gehölze, niemand düngt. Alles, was jetzt geschieht, dient dem Überstehen: gießen im Morgengrauen, ernten, Schatten geben. Ein andalusischer Garten im August ist kein trauriger Anblick, aber ein ruhender – die Bougainvillea blüht, der Rest wartet. Dahinter steckt eine einfache Einsicht: Jede Pflanze, die man jetzt zum Wachsen zwingt – durch Schnitt, Dünger oder Umpflanzen –, muss dieses Wachstum unter den schlechtesten Bedingungen des Jahres leisten. Der Süden zwingt sie nicht. Er wartet auf den September.

2. Was jetzt wirklich ansteht

Stillhalten heißt nicht nichtstun. Die Augustaufgaben sind nur andere – kleiner, früher am Tag, näher an der Ernte:

  • Kübel morgens gießen: Töpfe haben keine Tiefe, aus der sie schöpfen könnten. Olive, Zitrone und Co. bekommen bei uns im August jeden Morgen ihre Runde – abends nur in echten Hitzewellen zusätzlich.
  • Lavendel schneiden: Direkt nach der Blüte um etwa ein Drittel einkürzen, nie ins alte Holz. Wer das jetzt tut, bekommt kompakte Kugeln statt der verkahlten Spinnen, die man aus vernachlässigten Vorgärten kennt.
  • Kräuter ernten und trocknen: Rosmarin, Thymian, Oregano sind kurz vor der Blüte am aromatischsten. Gebündelt und kopfüber im Schatten getrocknet, holt man sich im Januar den Duft des Sommers in die Küche.
  • Stecklinge schneiden: Der stille Augustklassiker. Halbverholzte Triebe von Lavendel, Rosmarin oder Salbei wurzeln jetzt in magerer, sandiger Erde erstaunlich willig – kostenlose Pflanzen fürs nächste Frühjahr.
  • Junge Bäume wässern: Alles, was im letzten oder vorletzten Jahr gepflanzt wurde, hat noch keine tiefen Wurzeln. Einmal pro Woche eine ganze Gießkannenladung langsam an den Stamm – das entscheidet über das Anwachsen mehr als jede Pflegemaßnahme im Rest des Jahres.

3. Was Sie im August besser lassen

  • Kein großer Gehölzschnitt: Frische Schnittwunden bei 34 Grad und plötzlich freigestellte Rinde in praller Sonne – das quittieren selbst robuste Sträucher mit Sonnenbrand und Trockenschäden. Der große Schnitt gehört in den Spätwinter.
  • Nicht in die Hitzewelle pflanzen: Wer jetzt setzt, verdammt sich selbst zum täglichen Gießen und die Pflanze zum Kampf. Zwei, drei Wochen warten, und dieselbe Pflanzung gelingt fast von allein.
  • Den Rasen nicht düngen: Dünger auf trockenem, gestresstem Rasen verbrennt die Gräser, statt sie zu stärken. Die Herbstgabe im September holt alles nach.
  • Nicht umgraben, nicht hacken: Jede geöffnete Bodenfläche verliert Feuchtigkeit. Der Süden lässt seine Erde im August in Ruhe – und bedeckt sie, wo es geht, mit Mulch.
  • Vor dem Urlaub nicht kurzmähen: Der verbreitetste Fehler von allen. Kurz geschorener Rasen verbrennt in der ersten Hitzewoche; höher gestellt übersteht er die Reise deutlich besser.

4. Sonderfall Rasen: braun ist nicht tot

Der Rasen verdient im August einen eigenen Absatz, weil er das meiste Kopfzerbrechen macht. Die Kurzfassung: höher mähen als sonst, gar nicht düngen, und beim Wasser eine ehrliche Entscheidung treffen – entweder einmal pro Woche gründlich oder gar nicht. Eine strohige Augustfläche ist kein Totalschaden, sondern Sommerruhe; mit dem ersten kräftigen Regen kehrt das Grün zurück. Wer einen Mähroboter laufen hat, lässt ihn ruhig weiterarbeiten, nur eben auf höherer Stufe – die ständigen Mini-Schnitte stressen die Gräser weit weniger als ein wöchentlicher Kahlschlag mit dem großen Mäher.

5. Ende August: das heimliche Frühjahr des Gärtners

Im Süden wartet um diese Zeit alles auf den September – auf die ersten Regen, die aus braunen Hängen binnen Tagen wieder grüne machen. Bei uns ist das Ende des August die vielleicht am meisten unterschätzte Planungszeit des Jahres. Denn das Fenster, das sich ab September öffnet, ist das beste im ganzen Kalender: Der Boden ist warm wie im Juni, die Regen kommen zurück, und alles, was jetzt gesät oder gepflanzt wird, hat Monate zum Einwurzeln vor dem nächsten Sommer. Ich nutze die langen, warmen Abende für die Liste: Wo wird nachgesät, welche Ecke wird endlich umgebaut, welche Blumenzwiebeln kommen im Oktober in den Boden. Die Arbeit beginnt im September – aber der Plan entsteht im Liegestuhl.

6. Mein Fazit

Der August ist der Monat, in dem der Süden uns am meisten voraushat – nicht an Wissen, sondern an Gelassenheit. Gießen im Morgengrauen, ernten, schneiden nur, was die Blüte hinter sich hat, und ansonsten: abwarten und den Schatten genießen. Der beste Augustgärtner arbeitet eine Stunde, bevor die Sonne hoch steht, und sitzt den Rest des Tages mit einem kalten Getränk unter der Markise – im Wissen, dass der September alles möglich macht, was der August verbietet. Genau so hält es der Mittelmeerraum seit Jahrhunderten. Es funktioniert.

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