Die schönsten Gärten Südeuropas: von der Alhambra bis zur Amalfiküste
Irgendwann auf meinen Reisen habe ich angefangen, nicht mehr nur Wanderungen zu planen, sondern auch Gärten. Was als Schlechtwetterprogramm begann, ist längst ein eigenes Reisemotiv geworden: Die Gärten des Südens erzählen mehr über ihre Region als manches Museum – über das Klima, das Wasser und darüber, was Menschen aus beidem machen. Hier sind die Anlagen, die mich am meisten beeindruckt haben.
1. Generalife, Granada: die Kunst des Wassers
Die Gärten des Generalife oberhalb der Alhambra sind für mich der Maßstab, an dem sich alle anderen messen müssen. Die maurischen Baumeister haben vor 700 Jahren verstanden, was einen Garten im heißen Klima ausmacht: Schatten, Wasser und Proportion. Schmale Kanäle, plätschernde Fontänen, Zypressenalleen und Innenhöfe, in denen selbst im andalusischen Hochsommer eine erstaunliche Kühle herrscht.
Was ich von dort mitgenommen habe: Ein Garten muss nicht groß sein, um zu wirken. Die berühmten Höfe sind oft kaum größer als ein Wohnzimmer – ihre Wirkung entsteht aus Wasser, Duft und dem Wechsel von Licht und Schatten. Ein Prinzip, das sich im Kleinen überall wiederholen lässt.
2. Villa Rufolo und Villa Cimbrone, Ravello: Gärten über dem Meer
An der Amalfiküste hängen die Gärten buchstäblich am Hang. In Ravello, hoch über dem Tyrrhenischen Meer, liegen mit der Villa Rufolo und der Villa Cimbrone zwei Anlagen, die Terrassengärtnerei zur Kunstform erheben: Pinien und Pergolen, Rosen zwischen alten Mauern und am Ende die „Terrasse der Unendlichkeit" mit ihren Marmorbüsten vor dem offenen Blau.
- Beste Zeit: April bis Juni – die Rosen blühen und die Busreisegruppen halten sich noch in Grenzen
- Früh kommen: Um 9 Uhr hat man die Terrassen fast für sich, ab 11 wird es voll
- Kombinieren: Der Wanderweg der Götter (Sentiero degli Dei) liegt praktisch vor der Tür – Garten und Bergpfad an einem Tag
3. Jardim Botânico und Monte Palace, Madeira: der Überfluss des Atlantiks
Madeira ist streng genommen kein Mittelmeer – aber kein Text über die Gärten des Südens kommt an der Blumeninsel vorbei. Im Monte Palace Tropical Garden oberhalb von Funchal wachsen Baumfarne neben Azaleen, Strelitzien neben japanischen Ahornen; das milde Atlantikklima macht Kombinationen möglich, von denen Gärtner auf dem Festland nur träumen. Wer im Frühling kommt, wenn die Jacarandabäume die Straßen violett färben, versteht, warum Funchal seit 200 Jahren Gartenreisende anzieht.
4. Jardín de Cactus, Lanzarote: Schönheit aus dem Steinbruch
Der kleinste Garten dieser Liste ist vielleicht der lehrreichste. César Manrique hat auf Lanzarote einen aufgegebenen Aschesteinbruch in ein Amphitheater aus tausenden Kakteen und Sukkulenten verwandelt – schwarze Vulkanasche als Bühne, darauf Silberkerzen, Säulenkakteen und Feigenkakteen in allen Formen. Für mich der Beweis, dass ein Garten nicht gegen seinen Standort arbeiten sollte, sondern mit ihm: Wo kein Wasser ist, pflanzt man eben das, was Trockenheit liebt – und gewinnt daraus einen eigenen Stil.
5. Was diese Gärten verbindet – und was man mitnehmen kann
So unterschiedlich Granada, Ravello, Madeira und Lanzarote sind, ein paar Prinzipien tauchen überall auf. Sie sind es, die ich mir für zu Hause notiert habe:
- Mit dem Klima arbeiten, nicht dagegen: Jeder dieser Gärten pflanzt, was der Standort hergibt – und wirkt gerade deshalb mühelos
- Wasser als Ereignis: Ein kleiner Brunnen oder eine Schale wirken im Süden stärker als jede Rasenfläche
- Schatten planen: Pergola, Baum oder Mauer – der Süden lebt vom Wechsel zwischen Sonne und Kühle
- Struktur vor Farbe: Zypressen, Terrassen, Wege – das Gerüst trägt den Garten, die Blüten sind Zugabe
Ob und wie sich diese südlichen Prinzipien in einen deutschen Garten übertragen lassen, ist ein Thema, das mich seit Jahren beschäftigt – und dem ich hier eigene Beiträge widmen werde. So viel vorweg: Es geht besser, als man denkt.
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