Botanische Gärten der Kanaren: wo der Süden seine Pflanzen zeigt
Auf die Botanischen Gärten der Kanaren bin ich, ehrlich gesagt, durch einen verregneten Nachmittag gekommen. Statt am Strand saß ich im Jardín Botánico von Puerto de la Cruz – und kam drei Stunden lang nicht mehr heraus. Seitdem gehört auf jeder Inselreise mindestens ein Garten ins Programm. Hier sind die vier, die sich aus meiner Sicht wirklich lohnen.
1. Jardín Botánico, Puerto de la Cruz (Teneriffa): der Altmeister
Der „Botánico" wurde bereits 1788 auf königlichen Befehl angelegt – als Zwischenstation, um Pflanzen aus den Kolonien ans europäische Klima zu gewöhnen. Heute steht dort ein Wald aus Riesenfeigen, deren Luftwurzeln wie Vorhänge herabhängen, dazwischen Orchideen, Bromelien und ein Seerosenbecken. Der Garten ist nicht groß, aber so dicht bewachsen, dass man sich in den Tropen wähnt – und der Eintritt kostet weniger als ein Eisbecher an der Strandpromenade.
2. Jardín Canario, Gran Canaria: die Insel im Kleinformat
Der Jardín Canario bei Las Palmas ist der größte Botanische Garten Spaniens – und er verfolgt ein anderes Konzept: Statt exotischer Schauflächen zeigt er fast ausschließlich die Flora der Kanaren selbst, angelegt in einem ganzen Talkessel mit Felswänden, Palmenhain und Lorbeerwald. Nirgendwo sonst begreift man besser, wie eigenständig diese Inselflora ist: Über 500 Arten wachsen nur hier und nirgendwo sonst auf der Welt.
- Highlight: Die Sammlung der kanarischen Natternköpfe – vom meterhohen roten „Taginaste" des Teide bis zu blau blühenden Küstenarten
- Praktisch: Eintritt frei, zwei Eingänge (oben/unten) – wer unten startet, spart sich den Aufstieg in der Mittagshitze nicht, also besser oben beginnen
- Zeit: Mindestens zwei Stunden, Pflanzenfreunde einen halben Tag
3. Palmetum, Santa Cruz de Tenerife: vom Müllberg zum Palmenparadies
Die Geschichte des Palmetum ist fast zu gut, um wahr zu sein: Eine ehemalige Mülldeponie am Hafen von Santa Cruz wurde in den 1990ern versiegelt, mit Erde überzogen und in die größte Palmensammlung Europas verwandelt. Heute spaziert man dort zwischen Palmen von allen Kontinenten, mit Wasserfällen, Teichen und Blick über den Atlantik – und ahnt nichts mehr vom Untergrund. Für mich einer der hoffnungsvollsten Orte der Inseln: der Beweis, dass sich selbst der übelste Standort in einen Garten verwandeln lässt, wenn jemand einen langen Atem hat.
4. Jardín de Aclimatación de La Orotava und die privaten Perlen
Neben den großen Namen lohnt auf Teneriffa das Tal von La Orotava mit seinen historischen Stadtgärten – etwa den Hijuela del Botánico, einen winzigen Ableger des großen Botánico mitten in der Altstadt, mit einem Drachenbaum als Herzstück. Und wer mit offenen Augen durch die Dörfer im Norden fährt, entdeckt die vielleicht schönsten „Gärten" der Kanaren kostenlos: private Innenhöfe voller Geranien, Sukkulenten in alten Blechdosen auf Treppenstufen, Bougainvillea über jeder zweiten Mauer.
5. Was ich aus diesen Gärten mit nach Hause nehme
Je öfter ich durch die kanarischen Gärten laufe, desto mehr schaue ich nicht nur auf die Pflanzen, sondern auf die Machart. Drei Beobachtungen, die sich bei mir festgesetzt haben:
- Töpfe können einen Garten ersetzen: Die schönsten Innenhöfe der Inseln bestehen zu 100 Prozent aus Kübeln und Dosen – Gärtnern braucht keinen Boden, nur Licht und Hingabe
- Trockenkünstler sind Schmuckstücke: Sukkulenten, Aeonien und Kakteen wirken in Gruppen gepflanzt wie Skulpturen – und verzeihen jede vergessene Gießkanne
- Standort schlägt Wunschdenken: Ob Müllberg, Steinbruch oder Felswand – die kanarischen Gärtner fragen nicht, was sie gern hätten, sondern was hier wachsen WILL
Mit genau dieser Haltung bin ich irgendwann an meinen eigenen Garten gegangen – und habe angefangen, mediterrane Ideen ins deutsche Klima zu übersetzen. Was dabei funktioniert und was scheitert, davon erzähle ich in den nächsten Beiträgen.
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