Inseln, Natur und Gärten des Südens

Die beste Reisezeit für die Kanaren: Monat für Monat ehrlich betrachtet

Von Thomas · Unterwegs im Süden

„Auf den Kanaren ist immer Frühling" – dieser Satz stimmt, und er stimmt auch wieder nicht. Nach vielen Reisen zu allen Jahreszeiten weiß ich: Es gibt keine schlechte Reisezeit für die Inseln, aber es gibt sehr wohl die richtige Zeit für das, was man vorhat. Hier meine ehrliche Bilanz, Monat für Monat.

1. Das Klima verstehen: Passat, Kalima und Inselseiten

Das Wetter der Kanaren machen drei Dinge: der Passatwind, der die Nordseiten der Inseln feucht und grün hält; der Kanarenstrom, der das Meer selbst im Sommer angenehm kühl hält; und gelegentlich der Kalima, ein heißer Sahara-Wind, der Staub und für ein paar Tage drückende Hitze bringt.

Daraus folgt die wichtigste Regel: Auf derselben Insel können am selben Tag zwei Welten herrschen. Wenn es in Puerto de la Cruz im Norden Teneriffas nieselt, liegt Los Cristianos im Süden unter blauem Himmel. Wer flexibel ist, fährt dem Wetter einfach hinterher – eine Autostunde reicht meist.

2. Winter (November bis Februar): meine Lieblingszeit

Während zu Hause der Winter grau wird, haben die Kanaren 18 bis 23 Grad und die klarste Luft des Jahres. Für mich ist das die beste Wanderzeit: kühle Vormittage, grüne Landschaften nach den ersten Regenfällen und Fernsicht bis zu den Nachbarinseln. Baden ist mit 19 bis 20 Grad Wassertemperatur frisch, aber machbar – die Einheimischen schwimmen das ganze Jahr.

  • Dezember/Januar: Hochsaison mit entsprechenden Preisen – früh buchen, dafür Mandelblüte ab Ende Januar im Hochland
  • Februar: Karneval auf Teneriffa und Gran Canaria – grandios, aber Unterkünfte in Santa Cruz Monate vorher weg
  • Regenrisiko: Vorhanden, aber überschaubar – Schauer ziehen meist schnell durch

3. Frühling (März bis Mai): grün, blühend, unterschätzt

Wenn ich einen Geheimtipp nennen müsste, wäre es der Mai. Die Ferienströme sind abgeebbt, die Preise moderat, und die Inseln stehen in voller Blüte: Natternköpfe wie rote Kerzen im Teide-Hochland, blühende Sukkulenten an jeder Böschung, dazu die ersten warmen Badetage. Wer Pflanzen liebt, reist im Frühling – nirgendwo sonst in Europa sieht man auf so engem Raum, was ein mildes Klima alles möglich macht. Für mich ist genau diese Jahreszeit der Grund, warum ich mich später zu Hause an mediterranen Beeten versucht habe.

4. Sommer (Juni bis September): heißer als sein Ruf – aber nur stellenweise

Der Kanarensommer ist an den Küsten erstaunlich moderat: 24 bis 28 Grad, dazu stetiger Wind. Die Südstrände sind voll, aber das Hochland und die Nordseiten bleiben angenehm. Zwei Einschränkungen aus Erfahrung: Im Hochsommer kann der Kalima die Temperaturen für Tage über 35 Grad treiben – dann hilft nur Küste und Geduld. Und die Wolkendecke im Norden („Panza de Burro", der Eselsbauch) kann im Juli und August hartnäckig grau hängen, während zehn Kilometer weiter südlich die Sonne knallt.

  • Wandern im Sommer: Nur früh morgens starten und Höhenlagen meiden, die über Mittag in der Sonne liegen
  • Baden: Jetzt am wärmsten (22–24 Grad), Atlantik bleibt aber immer erfrischend
  • Preise: Deutsche Sommerferien treiben die Flugpreise – Juni und September sind die klügeren Monate

5. Herbst (Oktober): der stille Gewinner

Der Oktober ist der wärmste „Nebensaison-Monat": Das Meer hat seine höchste Temperatur, die Sommerhitze ist gebrochen, die Wintergäste sind noch nicht da. Ideal für alle, die Baden und Wandern kombinieren wollen. Einziger Haken: Die Landschaft ist nach dem trockenen Sommer am bräunsten – wer die Inseln grün erleben will, kommt besser im Spätwinter.

6. Fazit: Es kommt darauf an, was man sucht

Meine Kurzformel nach all den Jahren: Wandern und Natur – Januar bis Mai. Baden und Faulenzen – September und Oktober. Dem Winter entfliehen – jederzeit zwischen November und März. Wirklich falsch machen kann man auf den Kanaren wenig, solange man weiß, dass die Inseln viele Gesichter haben – und das richtige für die eigene Reise wählt.

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