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Algarve abseits der Strände: Naturparks und Grotten für heiße Augusttage

2. August 2026

Mitte August, 34 Grad im Schatten, und am Praia da Rocha reiht sich Handtuch an Handtuch bis zur Wasserlinie. Wer diese Kulisse kennt, weiß: Es gibt Tage, an denen der Strand keine Erholung mehr bringt, sondern nur Stress mit Parkplatzsuche und Sonnenbrand. Genau dann lohnt sich der Blick ins Hinterland der Algarve, wo Kalksteinhöhlen, schattige Flusstäler und ein Lagunensystem auf kühlere Alternativen warten.

Ria Formosa: Lagune statt Sandstrand

Zwischen Faro und Tavira erstreckt sich die Ria Formosa über rund 60 Kilometer Küste, ein Labyrinth aus Salzwiesen, Sandbänken und Kanälen. Von Faro oder Olhão aus fahren kleine Boote mehrmals täglich zu den vorgelagerten Inseln, aber auch die Wanderwege am Festland lohnen sich, etwa der Rundweg bei São Lourenço mit Blick auf Flamingos und Austernbänke.

Ich war im vergangenen August gegen neun Uhr morgens dort unterwegs, bevor die Hitze zuschlägt, und hatte den kompletten Steg für mich allein. Die Salinen bei Tavira, wo bis heute Meersalz von Hand geerntet wird, riechen nach Jod und schimmern in Rosa- und Grautönen, ein Fotomotiv, das kaum ein Tourist auf dem Radar hat.

Wanderung durch die Salzwiesen

Die Strecke von der Ponte Romana bei Tavira zu den aktiven Salinen ist flach, schattenarm und daher am besten früh am Morgen oder gegen 18 Uhr zu gehen. Festes Schuhwerk reicht, Wasser sollte man trotzdem mitnehmen, denn Kioske gibt es unterwegs kaum.

Fonte Benémola: das kühle Tal bei Loulé

Nur 15 Autominuten von Loulé entfernt liegt eines der am meisten unterschätzten Naturschutzgebiete der Algarve. Der Bach Rio Menalva fließt hier ganzjährig, gesäumt von Platanen, Oleandern und alten Wassermühlen, die noch aus der maurischen Zeit stammen.

Der Rundweg ist rund 5 Kilometer lang, meist eben und komplett im Schatten der Bäume, was ihn im August zur angenehmsten Wanderung der ganzen Region macht. An mehreren Stellen bilden sich natürliche Becken, in denen man sich abkühlen kann, ganz ohne Eintritt und ohne Liegestuhlverleih.

Rocha da Pena: Kalkstein, Karsthöhlen und Panorama

Wer Höhlen sucht, wird an der Rocha da Pena zwischen Salir und Alte fündig. Das Naturdenkmal liegt auf rund 480 Metern und besteht aus schroffem Karstgestein mit mehreren Dolinen und kleinen Höhleneingängen, die im Sommer angenehm kühl bleiben, während draußen die Luft flirrt.

Der Rundweg um den Bergrücken dauert etwa zwei bis drei Stunden und bietet an klaren Tagen Sicht bis zur Küste bei Albufeira. Anders als am Strand begegnet man hier höchstens ein paar Ziegen und vereinzelten Wanderern, selbst in der Hochsaison.

Serra de Monchique: Berge statt Meer

Die Serra de Monchique liegt nur 30 Kilometer von Portimão entfernt, doch klimatisch fühlt es sich wie ein anderes Land an. Auf dem Gipfel des Fóia, mit 902 Metern höchste Erhebung der Algarve, liegt die Temperatur oft 6 bis 8 Grad unter der Küstentemperatur, und ein leichter Wind weht fast immer.

In den Ortschaften Monchique und Caldas de Monchique gibt es schattige Kastanienhaine und ein historisches Thermalbad, das schon die Römer nutzten. Ein Espresso auf der Piazza von Caldas de Monchique, umgeben von jahrhundertealten Platanen, ersetzt an solchen Tagen jeden Strandtag.

Der Weg zum Picota

Weniger überlaufen als der Fóia ist der benachbarte Picota, mit 774 Metern etwas niedriger, aber wegen des dichten Eukalyptus- und Kastanienwaldes deutlich schattiger. Der Aufstieg dauert von der Straße aus etwa 45 Minuten und eignet sich gut für den späten Vormittag.

Grotten an der Küste: kühl, aber ohne Handtuchschlacht

Die berühmten Meeresgrotten bei Benagil und Carvoeiro muss man nicht zwangsläufig vom überfüllten Strand aus besuchen. Wer gegen 7:30 Uhr mit einem kleinen Kajak oder Stand-up-Paddle-Board startet, hat die Algar-Seco-Formationen und die Höhle von Benagil fast für sich allein, bevor um zehn Uhr die ersten Bootstouren aus Lagoa und Portimão eintreffen.

Im Inneren dieser Kalksteinhöhlen bleibt es auch bei Mittagshitze angenehm kühl, das Licht fällt in Schächten von oben ein und färbt das Wasser türkis. Ein Neoprenanzug ist im August nicht nötig, das Wasser hat meist 22 bis 24 Grad.

Praktische Hinweise für Ausflüge im August

Fazit für heiße Tage

Die Algarve wird touristisch fast ausschließlich über ihre Strände vermarktet, dabei liegt der eigentliche Reiz im August oft im Hinterland. Lagunen, Flusstäler und Karsthöhlen bieten Kühle, Ruhe und eine Seite der Region, die viele Besucher schlicht übersehen.

Wer einmal barfuß durch die Fonte Benémola gewatet ist oder allein am Fuß des Fóia gestanden hat, während unten an der Küste die Handtücher glühen, wird diese Alternativen nicht mehr missen wollen.